Tempera

Experimentelle Bildgestaltung

Die Tempera steht zwischen den wäßrigen und den nichtwässrigen Bindemitteln, da sie Komponenten aus beiden Systemen enthält.
Als wäßrige Bindemittel kommen dafür in Betracht z.B.: Gummilösung aufgeschlossene Stärke, Zelluloseleim oder Eiemulsion, als nichtwässrige Bindemittel bieten sich u.a. an: Leinölfirnisse, fette Öle, Harzlösungen oder Wachs-Terpentinöl-Salben.
Das Mengenverhältnis zwischen wäßrigen und nichtwässrigen Anteilen entscheidet darüber, ob die Endwirkung einer Tempera eher einer Gouachemalerei oder einer mager gehaltenen Ölmalerei ähnelt.
Um die Vermischung der normalerweise nicht vermischbaren Bestandteile zu bewerkstelligen wird ein Emulgator benötigt, der beide Komponenten verbindet. Der geläufigste Emulgator ist das Hühnerei, das an sich schon eine fertige Emulsion darstellt, die als Bindemittel geeignet ist. Es besteht aus 12% Eiweiß, 12% fettem Ö11 und 74 % Wasser. Der Dotter kann erhebliche weitere Mengen fetter Öle aufnehmen (bis 700%), aber auch das ganze Ei ist ein guter Emulgator.

Zur Herstellung einer einfachen Eitemperaemulsion wird einfach ein Ei in einem verschließbaren Behälter kräftig durchgeschüttelt.

Diese Emulsion kann als Bindemittel zum Anreiben von Pigmenten oder als Malmittel benutzt werden.

Diese Eiemulsion kann aber auch mit Öl- oder Harzlösung zu einer künstlichen Emulsion, bei der das Ei nunmehr die Rolle des Emulgators spielt, angereichert werden, indem man 1/3 bis 1/4, aber auch bis zu 1 Raumteil Öl oder Harzlösung durch mindestens 3 bis 4 Minuten langes Schütteln einemulgiert.


Gummi Tempera

Mit Gummiarabicum läßt sich auf einfachste Art eine Emulsion herstellen. Das Gummi wird in kaltem Wasser gelöst, der entstandene Schleim auf ca. 60°C erhitzt und filtriert. Dann gibt man unter ständigen Umrühren tropfenweise Leinölfirnis hinzu, bis der Ölgehalt ca. 15-20% beträgt. Schon nach ca. 1 Minute entsteht eine weißliche hochviscose (zähflüssige) Emulsion. Das Rühren sollte sollte noch ca 3 Minuten fortgesetzt werden Gummitempera hat vor reiner Wasserfarbe den Vorzug, daß sich untere Farbschichten nicht so leicht wieder anlösen.


Stärketempera

Eine sehr billige Tempera ist die Stärketempera. Stärke wird zu Kleister verkocht und kann dann mit Leinölfirnis emulgiert werden.

Auf gleiche Weise ist es möglich, aus Zellstoffleim eine Tempera zu bereiten. Die gequollene und gut durchgeschlagene Stammlösung eignet sich relativ gut zum emulgieren.


Konservierung von Temperafarben

Es gibt eine Vielzahl geeigneter Konservierungsmittel, die jedoch den entscheidenden Nachteil haben, giftig zu sein. Harmloser sind Mittel, die auch in der Lebensmittelindustrie oder in Salben verwendet werden, z.B. "Nipagin".

Am besten jedoch ist es, ganz auf diese Mittel zu verzichten und sich die entsprechende Menge Emulsion täglich frisch herzustellen.

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