Vorwort des Verlegers

Sechzehn Jahre hat Amalie Wissing in Spanien gelebt und beruflich in den verschiedensten Bereichen Erfahrungen gesammelt. Vielleicht ist sie gerade deshalb in der Lage, die Gefühle und Empfindungen von leidtragenden Frauen so eindringlich zu beschreiben. Das sehen wir im ersten Teil dieses Buches. Es ist ja gerade ihre Sensibilität, die sie durch Auslandserfahrungen gewonnen hat - so wie man bekanntlich erst im Ausland die eigene Kultur kritisch zu betrachten lernt - die es ihr häufig erlaubt, den LeserInnen brisante Inhalte anzubieten, wie zum Beispiel:
„Sie weiß halt geschickt mit ihrer Zeit umzugehen. Besser gesagt, mit leeren Zeiträumen oder Zwischenzeiten. Im Fahrstuhl zum Beispiel. Es sind und bleiben Augenblicke erzwungenen Innehaltens, und unsere plötzlich einsetzende Regungslosigkeit ist verwirrend und peinlich genug für den, der das Ruder lieber selbst in der Hand hält.“

Mit einem Reigen aus Wörtern und Bildern - „...einem Vogel gleich fliegt ihr Blick ins Helle“ - werden in Amalie Wissings Erzählungen scheinbar belanglose Alltagserfahrungen zu surrealen Gebilden und beeindrucken hier und dort die LeserInnen in einer unerwarteten Dimension.

Knapp und hart ist dagegen die Sprache, fängt sie in den Erzählungen „Sadika“ und „Aischa“ den seit eh und je andauernden Schmerz der Frauen ein. Feinfühlig schreibt sie über diesen Schmerz aus der Perspektive bosnischer Frauen, die in Lagern vergewaltigt und gefangen gehalten wurden, damit sie Kinder von Christen gebären.
In „Collagen der `S´-Klasse“ reflektiert Amalie Wissing die Absurdität in den zwischenmenschlichen Beziehungen, die eine Folge der volltechnisierten Gesellschaft ist.

Auf diese und ähnliche gesellschaftskritische Positionen stößt man nicht nur bei der Lektüre der oben genannten Erzählungen, sondern auch in „Love Parade“ und „Herr X macht blau“.
Dass die kritische Betrachtung der Gesellschaft ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit Amalie Wissings ist, wird schnell deutlich.

Wichtig finde ich dabei, dass sie niemals mit erhobenem Zeigefinger erzählt. Sicherlich pflegt Amalie Wissing diese Herangehensweise nicht aus taktischen Gründen, sondern weil sie in ihrem Wesen verankert ist. In diesem Zusammenhang steht auch ihr Brief an Nora „Aus dem Herzen Deutschlands“. Sehr rebellisch und zugleich lakonisch disqualifiziert sie bürgerliche Weisheiten wie Beflissenheit und Sicherheitsdenken, indem sie sich in hartnäckigen Dialog mit ihrem Schicksal begibt.
Amalie Wissings spielerischer Umgang mit Sprache und ihre differenzierte Auseinandersetzung mit sogenannten Lebensweisheiten wird noch einmal deutlich in „Simultan: 4 Verse zum V. Akt“, in Anlehnung an Goethes Faust II.
Amalie Wissing nimmt den Alltag wachsam wahr und spricht durch die Blume.

Mai 1977 Mostafa Arki

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